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5. März 2019 0

600 Teilnehmende, 92 Speaker und 48 Programmpunkte. Zwei Tage lang analysierten, diskutierten und prognostizierten Vertreter*innen der Zivilgesellschaft: Wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeit und wie gelingt es, den Wandel mitzugestalten?

Dicht gedrängt standen die Teilnehmenden am 21. Und 22. Februar 2019 in der Berliner Kalkscheune. Sie wollten Wissen teilen, sich vernetzen, diskutieren. Themen dafür gab es genug: Wie sieht digitales Lernen in gemeinnützigen Organisationen aus? Wie erreiche ich im Netz eine neue Freiwilligen-Generation? Welches Potenzial schlummert in meinen Daten? Wie kann ich von der Kooperation mit Verwaltung und Unternehmen profitieren?

Das Programm war eng getaktet, eine App erleichterte den schnellen Wechsel von Sessionräumen und hielt alle Infos zu Speakern und Themen bereit.

Highlight Keynote

Lucy Bernholz von der Stanford University ist eine der interessantesten Denker*innen, geht es um das Verhältnis von Daten und demokratischen Systemen. Zivilgesellschaft beschrieb sie als „messy, fragmented, a weird thing“ und fand jede Menge Zustimmung für die Beschreibung.

Dieser heterogene und eigenwillige Kosmos brauche ein hohes Maß an Datenschutz. Sie lobte im gleichen Atemzug die europäische DSGVO als elementar wichtige Grundlage, um Daten zu schützen – und nahm Förderer in Pflicht, viel datensparsamer zu arbeiten. Ihr Appell: Die Organisationsformen, die vor langer Zeit entstanden, um Zeit und Geld zu organisieren, werden nicht ausreichen, um in der Zukunft Daten mit ihrem ganzen Potenzial zu managen. „It is a great time to reinvent!“

Heterogenität

Auch wenn die Zusammensetzung der Teilnehmenden zu wenig die verbandlich organisierte Zivilgesellschaft widerspiegelte – mit ganz unterschiedlichen Stiftungen, Vereinen, Initiativen, Vertreter*innen aus Politik & Verwaltung bot der Kreis die nötige Vielfalt, um für ausreichend Impulse – manchmal auch Zweifel und Kritik – zu sorgen. Mit 48 Speakern war mehr als die Hälfte der Vortragenden weiblich. Ein Schnitt, der auch Maßstab für künftige Veranstaltungen sein sollte.

Ungewöhnlich war nicht zuletzt die Gruppe der Veranstalter: Drei Stiftungen, zwei Ministerien, ein Verband, ein Think Tank.

Die Idee dahinter: Will man eine Diskussions-Plattform und einen Lernraum zum Thema Digitalisierung anbieten, braucht es mehr, als ein einzelner Akteur leisten kann. Nötig sind diverse Perspektiven, unterschiedliche Netzwerke und komplementäre Ressourcen. Neues kann auf dieser Grundlage anders und unorthodoxer entwickelt werden, wenn wie hier Politik, Unternehmen und Gemeinnützige zusammen anpacken.

Eine Rückmeldung nach über 40 Sessions: Die Zeit zum Netzwerken war wieder einmal zu kurz! Und vielleicht wird der Summit kommendes Jahr auch live gestreamt?! Dank stabilem WLAN auf der Veranstaltung und vielen ausdauernden Twitterern war der Hashtag #DSS2019 bis auf Platz 3 der deutschen Twitter-Trends hochgeschossen.

Inzwischen könnt ihr auch die Fotos vom Event in unserem Flickr-Album finden und teilen (CC BY-NC): Link zum Flickr Album

Illustration: Susanne Kitlinski (opensustain.com)
Foto: Henning Schacht / Digital Social Summit 2019 / CC BY-NC

Johannes Hofmann

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5. März 2019 0

Digital Social Summit – Tag 2

Autoren: Anton Tsuji & Julian Stutz (EVAU Magazin)

Anton: Zwei Tage Hochdruckbetankung zu Digitalisierung und Zivilgesellschaft. Wie lautet dein Fazit?

Julian: Ich habe viele neue Facetten der Zivilgesellschaft und des Engagements kennengelernt. Zum Beispiel ist mir viel deutlicher geworden, dass es gerade mit Sportvereinen sehr große Akteure auf dem Gebiet gibt, die ich tatsächlich bisher nicht so mitgedacht habe. Das werde ich in Zukunft deutlich mehr tun, auch aufgrund einer guten Session des DOSB. Die hat gezeigt, wie gerade große Verbände die Digitalisierung sinnvoll zur Organisation und zur Vermittlung von Wissen nutzen können. Was war denn für dich neu?

Anton: Boah ey, vieles. Als Stadtmensch habe ich mich ehrlich gesagt bislang wenig mit der Digitalisierung für ländliche Regionen auseinandergesetzt. Das war auf dem Summit aber ein großes Thema, das teilweise mit großen Hoffnungen, aber auch mit einer gehörigen Portion Frust versehen ist. Mir ist dabei eines klar geworden, was wir auch schon gestern im Recap des ersten Tages anklingen lassen haben: Wenn es engagierte Menschen gibt, die sich dahinterklemmen, dann können die in ihrer Region schon viel bewegen. Es mangelt aber anscheinend an allgemein zugänglichen Werkzeugen, die eine Kommune einfach bei sich anwenden kann. Es kocht eher jeder sein eigenes Süppchen.

Engagierte Menschen können in ländlichen Regionen viel bewegen. Es mangelt aber scheinbar an allgemein zugänglichen Werkzeugen, die eine Kommune einfach bei sich anwenden kann.

Julian: Das habe ich auch als großes Potenzial wahrgenommen, das immer wieder durchklang. Viele Leute bauen an Plattformen, Apps, Partizipations-Modellen und sind froh, wenn sie da was geschafft haben. Diese Errungenschaften werden dann aber oft nicht geteilt. Ich will mir da nicht anmaßen zu beurteilen, ob das die Leute dann nicht wollen oder nicht können. Wenn allerdings der zweite Faktor das Problem ist, dann ist die Zivilgesellschaft mit einer Veranstaltung wie dem Digital Social Summit definitiv auf dem richten Weg. Da wird es auch interessant sein zu sehen, wie das weiter geht und was aus den geknüpften Kontakten wird. Apropos Zukunft: Was hat dir organisatorisch gut gefallen und wo könntest du dir Veränderungen vorstellen?

Anton: Also insbesondere wenn man bedenkt, dass der Summit zum ersten Mal stattgefunden hat, muss ich sagen: Respekt, das war wirklich toll organisiert. Und das sage ich nicht nur, weil mir die Menschen vom Orgateam so grundsympathisch waren. Ich war zum Beispiel selten auf einer Veranstaltung mit derart vielen Programmpunkten, die so gut durchgeflutscht ist. Es wurde ja wirklich kaum überzogen. Genau hier liegt aber auch meiner Meinung nach das Verbesserungspotential. Ich könnte mir etwa vorstellen, dass es beim nächsten Mal auch längere Sessions geben könnte als maximal eine Stunde. Gerade die Mitmachgeschichten sind teilweise gerade erst spannend geworden, als der Schlussgong ertönte. Außerdem möchte ich der Person zustimmen, die im Schlussfeedback sagte, dass die Sessions beim nächsten Mal noch etwas mehr Support gebrauchen könnten – mancher Inhalt wäre etwas anders aufbereitet vielleicht besser herübergekommen. Nicht jeder Mensch, der ein cooles Projekt verantwortet, ist eben auch der geborene Präsentator. Gibt es eine Session, die aber deiner Meinung nach herausragend gut war?

Lucy Bernholz hat das Thema „Digital Civil Society“ wirklich gründlich durchdacht und bringt ihre Gedanken dann auch noch sehr unterhaltsam und klar rüber – echt beeindruckend.

Julian: Neben der bereits schon erwähnten Session von DOSB haben mir auch andere sehr praxisorientierte Sessions gefallen. Toll fand ich beispielsweise auch, wie klar und zielstrebig Dagmar Hirche zum Thema Digitalisierung bei der Zielgruppe 70+ gesprochen hat. Da hat man einfach richtig gemerkt, wie tief sie in dem Thema ist. Und schließlich hat Lucy Bernholz meine Erwartungen, die nicht gerade gering waren, nochmal übertroffen. Sie hat das Thema „Digital Civil Society“ aus meiner Sicht wirklich gründlich durchdacht und kann ihre Gedanken dann auch noch sehr unterhaltsam und klar rüberbringen – echt beeindruckend. Insofern war unser Interview mit ihr am Abschluss des Summits definitiv nochmal ein Highlight für mich. Da können sich die EVAU-Leser schon drauf freuen. Welche Session nimmst du im Herzen mit nach Stuttgart?

Anton: Lucys Beiträge muss ich da auch noch einmal hervorheben. Da gerate ich ja schon fast ins Schwärmen. Sie hat ihre Botschaften echt klasse herübergebracht. Darüber hinaus mochte ich das Panel zu Innovationen im ländlichen Raum sehr gerne. Hier wurden in der kurzen Zeit sehr praxisnahe Beispiele präsentiert. Eine Dorf-App etwa, die wirklich genutzt wird. Oder Crowdfunding für kleine Sportvereine, mit dem wirklich respektable Summen zusammenkommen. Aber auch wegen all der anderen Sessions hat sich der Besuch definitiv gelohnt. Julian, kommen wir nächstes Jahr wieder, wenn wir dürfen?

Julian: Absolut! Wird spannend zu sehen sein, was sich bis dahin getan hat. Wir bleiben am Ball.

Johannes Hofmann